Von einem Tag auf den anderen aus dem Trubel des Alltags gerissen, nach einem anstrengenden und turbulenten Flug und gefüllt mit Abschiedsschmerz, Vorfreude und nervöser Anspannung kam ich am 31. August in Phnom Penh an. Die Einreise lief reibungslos und bevor ich abgeholt wurde, blieb noch kurz Zeit, um mir eine SIM-Karte zu besorgen. Auf der Fahrt vom Flughafen auf die Farm von Smiling Gecko war ich schliesslich so müde, dass ich nach wenigen Minuten einschlief.

Kaum auf der Farm angekommen, wurde ich von einem der Lehrer begrüsst und in meine Unterkunft begleitet. Da sass ich nun in meinem kleinen Zimmerchen, das für die nächsten sechs Monate mein Zuhause sein wird. Um ehrlich zu sein, an diesem Sonntag fühlte ich mich etwas verloren. Kurzerhand entschied ich mich, mir eine wohltuende Massage zu gönnen und nach einem kurzen Treffen mit Barbara, der Schulleiterin, und einem frühen Abendessen legte ich mich zeitig schlafen.

Am nächsten Tag sah die Welt schon deutlich besser aus. Ich hatte gut geschlafen und als ich in der Schule ankam, die Kinder traf und ein eigenes kleines Büro erhielt, fühlte ich mich schon deutlich wohler. Von Tag zu Tag kam ich mehr in meinem Zuhause auf Zeit an, lernte Lehrpersonen und Kinder kennen und besuchte die ersten Klassen in ihrem Unterricht. Nach und nach entwickelte ich auch eine Vorstellung der Aufgaben, denen ich mich in den künftigen sechs Monaten widmen möchte.

Kaum vor Ort bekam ich bereits die erste Anfrage einer Lehrerin, die gerne Präsentationen in Keynote mit ihren 5. und 6. Klässlern umsetzen wollte. So unterrichtete ich bereits in der zweiten Woche täglich im Team-Teaching in den Klassen 5A/5B und 6A/6B. Obwohl wir uns kaum abgesprochen hatten, ergänzten die Lehrerin Miss Florida und ich uns sehr gut und das kleine Projekt war ein voller Erfolg. Zum Ende der Woche arbeiteten die Kinder fast komplett selbständig und waren kaum noch von ihren Präsentationen wegzukriegen. Da wurden Fotos geknipst, Texte geschrieben, animiert und viel gestaltet und gezeichnet.

Was mich ganz besonders gefreut hat, war die Begeisterung von Miss Florida und ihr Stolz auf ihre Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus hat sie so fleissig Werbung für mich gemacht, dass sich nun auch andere Lehrpersonen für kleinere und grössere Projekte interessieren.
Auch in meinem neuen Alltag entwickelten sich rasch erste Routinen: Mahlzeiten, Wäsche waschen, Einkäufe in Phnom Penh und Verteidigungsstrategien gegen Insekten. Mit diesen machte ich in meinem Zimmer aufgrund des feuchtwarmen Wetters schon sehr früh Bekanntschaft. Neben Würmern erhielt ich auch regelmässig Besuch von kleineren und grösseren Kakerlaken. Mit Hilfe von Insekten-Spray und einem regelmässig gesäuberten Zimmer liessen sich diese jedoch immer seltener blicken. Die Erfahrungen mit dem krabbelnden Ungeziefer ist definitiv neu für mich und wird sicherlich nicht zu den Dingen gehören, die ich vermissen werde, wenn ich zurück in der Schweiz bin – ganz im Gegenteil.

Für die Organisation meiner Zeit in Kambodscha waren auch Behördengänge notwendig, wie das Erstellen einer Versichertenkarte oder das Eröffnen eines Bankaccounts. Obwohl wir uns gegenseitig kaum verstanden und uns oft einfach nur anlächelten, hielt ich schon nach kurzer Zeit alle erforderlichen Dokumente in den Händen. Für die Verlängerung meines Visas war ausserdem ein «professionelles» Foto notwendig. Professionell bedeutete in diesem Fall ein kleiner Copy-Shop am Ende der Strasse mit einem Laptop und einem Drucker. Ich wurde zwischen zwei Lampen vor ein kleines weisses Tuch gestellt und mit der Handykamera fotografiert. Den Rest erledigte der Mitarbeiter auf seinem Handy. Plötzlich hatte ich statt einem schwarzen T-Shirt eine weisse Bluse und einen schwarzen Blazer an, stand vor einem blauen Hintergrund und hatte statt offener, zusammengebundene Haare. Die Macht von Photoshop!
Es liesse sich noch so viel mehr erzählen, aber das würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Was ich nach meinen ersten vier Wochen definitiv sagen kann: Ich fühle mich sehr wohl in Kambodscha und bin glücklich und dankbar, dass ich weitere fünf Monate für Smiling Gecko arbeiten darf. Ich bin gespannt auf das, was mich in den kommenden Wochen noch erwarten wird.
